Kiwi-Insel

Welly und der Interislander

März 29th, 2009 by PhilMel

Die Fahrt nach Picton war, mal abgesehen von der üblichen Berg- und Tal- und Berg- und Talfahrt, zwischendurch mit engen, todesmutigen 200 Grad – Kurven gespickt und Philipp ist so schlecht geworden, dass ich wirklich dachte, das Frühstück kommt ihm wieder hoch.

Picton selbst ist ganz nett und mit den vielen Shops und Essensmöglichkeiten kann man sich hier gut die Zeit vertreiben, bis man mit dem Interislander oder der Blue Ferry nach Wellington übersetzt. Nachdem Philipp am Strand einen kleinen Vogel mit Eiswaffeln süchtig gemacht hat, sind wir so gegen zehn auf die Fähre gelotst worden. Eingeklemmt zwischen zwei großen Trucks haben wir unseren Van stehen lassen und uns im Café mit Chips und nem Fläschchen Becks (endlich wieder richtiges Bier!!) versorgt. Während wir dem Geplapper des Fernsehers lauschten, bauten die meisten um uns herum ihr Nachtlager auf und wickelten sich in Decken und Schlafsäcke. Und als hätten wir nicht eh schon das Gefühl, dass wir die Irren anziehen, wie das Licht die Motten, zog sich ein älterer Herr genau einen Meter vor uns bis auf die sehr alte und mitgenommene Unterhose aus, ehe er sich in seinen Schlafsack zwängte und selig in monotones Schnarchen verfiel. Und während wir noch überlegten, ob man solche Bilder vielleicht mit einem Laser von der eigenen Netzhaut löschen kann, begann die Fähre immer stärker zu schwanken. Selbst Philipp, dem so was normalerweise nichts ausmacht, bewegte sich nicht mehr, als notwendig, um die Chips, die sich unangenehm im Magen bemerkbar machten, irgendwie drin zu behalten. Richtig so, wir haben ja schließlich auch dafür bezahlt!

Da es in Wellington keine Campingplätze gibt, haben wir die Nacht auf einem öffentlichen Parkplatz verbracht und sind am nächsten Morgen direkt zum Worldwide Backpackers Hostel gefahren, um einzuchecken. Wir hatten das Hostel schon drei Tage zuvor gebucht und waren von dem Angebot absolut begeistert: Kostenloses Frühstück, Wein am Abend, freies Internet auch noch recht nah am Stadtzentrum von Wellington.

Als wir ankamen, waren unsere Zimmer (obwohl wir extra angegeben hatten, dass wir früh kommen) noch nicht fertig. Aber dafür konnten wir in die Küche, um zu frühstücken. Jipee! Wir hatten natürlich kein reichhaltiges Buffet erwartet, aber doch schon mehr, als nur labbriges Toastbrot, salzige Butter und leicht ranzige Erdbeermarmelade. Zudem war die Küche total verdreckt, überall lag Müll rum und ein ekliger Fettfilm zog sich über Küche, Boden und Geschirr. Als Backpacker ist man ja nicht so zimperlich und so haben wir das Beste draus gemacht.

Auch eine Stunde später war das Zimmer noch nicht fertig, da alle rauchend und Kaffee trinkend draußen saßen, sich unterhielten und so schnell kein Ende abzusehen war. So haben wir uns eben schmutzig ins Stadtzentrum aufgemacht.

Gegen halb drei waren wir wieder im WWB, wo uns gesagt wurde, dass es nicht mehr lange dauert, dass Zimmer sei gleich fertig, wir könnten ja schon mal unsere Sachen rein bringen. Dort trafen wir einen halb in den Bettbezug eingewickelten jungen Mann, der mit Mühe und Not versuchte sein erstes Bett zu beziehen. Das Zimmer an sich war echt schön, viel besser als in den anderen Hostels, aber unsere Laune hob sich nur kurz, da die (einzige) Dusche eklig nach Schimmel roch und überall die verschiedensten Haare klebten (und damit meinen wir nicht nur Haarfarben!!).

Tja und leider war in dem Hostel auch an Schlaf nicht zu denken. So gegen halb zehn ging es los: Draußen auf dem Flur wurde gelacht, gescheppert, geschrieen, irgendwer spielte Fangen, Musik dröhnte aus Lautsprechern, jemand telefonierte vor unserer Tür mit einem anscheinend Gehörlosen, in der Küche wurde lauthals gestritten (da hatte sich jemand erdreistet anstatt des billigen Tütenweins tatsächlich den guten Tütenwein zu trinken) und auf dem Klo kotzte sich jemand die Seele aus dem Leib.

Wir haben dem Treiben eine Weile zugehört und sind dann so gegen halb drei aus der Hippie-Kommune geflüchtet, um doch wieder in unserem Van geschlafen! Echt schade um das Geld!

Posted in Wellington

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