Kiwi-Insel

Paihia und die Sonnenanbeter

April 9th, 2009 by PhilMel

Je näher wir an Auckland heranfahren, desto größer wird die Anzahl der Touristen, die erst vor wenigen Tagen angekommen sind und deren Teint noch sehr stark an den eines Grottenolms erinnert. Und anstatt sich unter mehreren Schichten Sonnencreme und überdimensionalen Hüten zu verstecken, sitzen und liegen sie unter dem Motto „weniger ist mehr“ in der pralle Sonne und sprechen dabei ein kleines Gebet:

„Liebe Sonne, brate mich, verbrenne mich, denn so hell bin ich deiner nicht würdig!“

Wir hatten in Paihia die „Cream Trip „-Schiffstour gebucht, um die Highlights der Bay of Islands zu bewundern. Trotz der mäßigen Wetteraussichten haben wir uns vorher gut eingecremt, da wir schon so unsere Erfahrungen mit der neuseeländischen Sonne gemacht haben und wissen, dass sie ihre Wirkung auch mit dicker Wolkendecke zwischen ihr und uns nicht verfehlen wird.

Nach jeder Menge Inseln und dem berühmten „Hole in the Rock“ machten wir um die Mittagszeit einen kleinen Zwischenstopp auf Urupukapuka. Wieder zurück an Bord zeigte sich, dass die meisten der Gebete unserer hellhäutigen Begleiter erhört worden waren und sie deutlich an Farbe zugenommen hatten. Zwar nicht unbedingt eine schöne Bräune, aber immerhin ein doch recht kräftig leuchtendes Rot. Und anstatt dankbar zu sein und sich unter Deck zurückzuziehen, setzten sie sich alle auf der Rückfahrt in die pralle Sonne und beteten fleißig weiter. Bei dem ein oder anderen hörte die liebe Sonne besonders gut zu und so kam es, dass der Kopf eines Schweizers so langsam von leuchtend rot zu dunkelrot wechselte und die linke Gesichtshälfte einer jungen Engländerin damit begann allergisch zu reagieren und zu schwoll. Aber wer jetzt denkt, dass das nun Grund genug wäre, sich endlich einzucremen oder gar in den Schatten zu gehen, liegt vollkommen falsch. Angesichts der ungeteilten Aufmerksamkeit des brennenden Lavaballs am Himmel wurden Hosen hochgekrempelt und T-Shirts ausgezogen. Und das junge Mädchen mit dem zuschwellenden Gesicht blieb krampfhaft neben ihrem nicht minder verbrannten Oberkörper ihres Freundes in der Sonne sitzen und bedeckte ihre linke Gesichtshälfte mit einem kleinen, schmalen Handtuch.

Ein wenig nachdenklich sind wir am Ende des Tages (unverbrannt) von Bord gegangen und haben später am Abend den Schweizer mit der roten Rübe auf dem Campingplatz wieder getroffen. Und wir müssen tatsächlich zugeben, dass zumindest sein Kopf ein echter Blickfang war: Dieses dunkle rot, die kontrastreichen weißen Striemen von der Sonnebrille und dann noch diese kleinen, hellen Pusteln, die auf seiner Stirn immer größer wurden. Ein echter Hingucker!

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